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Das Meer und ich

  • janetkittelmann
  • 27. Feb. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. Apr. 2025


Begonnen hat alles vor einem Vierteljahrhundert auf den Philippinen, als ich nach jahrelanger Suche endlich meinen "perfekten Strand" gefunden hatte. Bis dahin habe ich mich noch nicht für die Welt unter der Wasseroberfläche interessiert. Es ging um blütenweißen Sand und flach abfallendes, türkisfarbenes Wasser, um die ganz speziellen Vibes, die nur ein Traumstrand entfalten kann. Boracay war damals der place-to-be.

Wenn man alleine reist, lernt man eine Menge Leute kennen, und so kam es, dass ich mit einem Bekannten auf einen Schnorcheltrip ging. Es war die kleine Insel Balicasag, wo ich das erste Mal den Kopf unter Wasser gesteckt habe. Und was dann kam, sollte mich seitdem nie wieder loslassen: Diese Farben! Diese vielen bunten Fische und Korallen in den leuchtendsten Farben und abwechslungsreichsten Mustern - ich konnte mich gar nicht satt sehen an den ganzen unterschiedlichen Lebensformen und Gebilden, die sich gerade mal 1,5 Meter unter mir befanden. Gleich bei meinem ersten Schnorchelgang habe ich ein gelbes Seepferdchen gesehen! Die hatten mir schon immer gefallen, und nun hatte ich ein Echtes in seiner natürlichen Umgebung beobachten können. Fantastisch! Ich war angefixt. Den Rest meiner Zeit auf den Philippinen verbrachte ich nahezu ausschließlich mit Schnorcheln und konnte gar nicht genug bekommen. Der Strand war grandios - aber die Unterwasserwelt war besser. Damals war mir noch nicht bewusst, dass die Philippinen mitunter eines der Top-Ten-Tauchgebiete der Welt sind, mitten im Korallendreieck gelegen, mit einer der schönsten Unterwasserlandschaften dieses Planeten.

Es war klar, dass ich auf meinen kommenden Reisen nie wieder, ohne einen Blick unter Wasser geworfen zu haben, nach Hause gehen würde. Die Welt da unten ist einfach zu schön und zu besonders, als dass man sie sich nicht immer wieder ansehen wollte.





An einem schönen 1. Mai lernte ich meinen Göttergatten kennen, und schon bald ging's für uns los in Richtung Asien. Auf Koh Tao/Thailand war der erste Weg der zur nächsten Tauchbasis um Schnorchel-Equipment auszuleihen. Schließlich wollte ich ihm unbedingt die Unterwasserwelt zeigen und sie natürlich auch selbst schnellstmöglichst wieder besuchen. Wir waren zwar nicht zur besten Zeit dort, doch trotz schlechter Sichtverhältnisse ist der Funke übergesprungen und das Meer hatte einen neuen Fan.


Und hier begann unsere gemeinsame Unterwasser-Karriere. Weitere Schnorchel-Urlaube folgten, bis wir uns nach ein paar Jahren entschlossen, weil die Neugier es forderte, einen Tauchschein zu machen. Ich brauchte ein paar Tage länger für die Entscheidung, weil doch auch ein wenig Schiss dazu kam - schließlich ist das eine andere Nummer wie nur ein bisschen an der Oberfläche rumzuschwimmen. Man ist meterweit unter Wasser, muss sich an das Atmen über den Atemregler gewöhnen, muss einen Druckausgleich machen, und all die Übungen, die ein Tauchschein erfordert... Und es ist ein Risikosport. Auf keinen Fall als Spaziergang zu sehen und immer mit Respekt auszuüben. Das Meer ist unberechenbar, die Strömungen tun ihr Übriges und man sollte sich niemals unter Wasser überschätzen.

Trotzdem kann ich nur sagen: Das war eine mega gute Entscheidung! Denn Tauchen ist ein so wundervolles Hobby, immer wieder spannend, immer wieder beeindruckend. Wie man durch's Wasser gleitet, mit minimalen Bewegungen, alles ganz entspannt, um einen herum nichts als Ruhe, nur der eigene Atem und gelegentlich Geräusche von der Wasseroberfläche, wenn ein Boot vorüber fährt oder die Papageifische an den Korallen knabbern. Man ist ganz bei sich und bei seinem Buddy, bei den Fischen und den vielen anderen Bewohnern des Meeres. Die sanfte Strömung treibt einen mühelos an Steilwänden vorbei, wo man ganz entspannt die Miniaturwelten und ihre Bewohner bewundern kann. Ich stelle mir gern vor, dass ein Fels voller Korallen so etwas ist wie eine Gemeinde mit ihren Bürgern, die an diesem Ort leben und ihr Ding machen.

So ähnlich wie bei "Find Nemo" :)


Leider gibt es auch indirekte negative Seiten dieses schönen Sports, denn wir Taucher sind diejenigen, die sie an eigenem Leib erfahren.



Das Meer ist


  • ein faszinierender Ort

  • reich an Leben

  • die Lebensquelle vieler Arten

  • ein Ort für wissenschaftliche Forschung und Innovation

  • die Heimat vieler unentdeckter Spezies

  • der größte Kohlenstoffspeicher der Erde

  • ein klimaregulierendes System

  • ein globales Netzwerk von Strömungen und Wetterphänomenen

  • ein Indikator für den Zustand des globalen Klimas

  • ein wichtiger Bestandteil des globalen Nahrungsnetzes

  • ein bedeutender Bestandteil des Wasserkreislaufs

  • der Lebensraum für Korallenriffe

  • ein Ort für Entspannung und Erholung

  • seit jeher eine Quelle der Inspiration

  • ein Ort für spirituelle Erfahrung und Meditation

  • die Grundlage für zahlreiche Mythen und Bräuche

  • das Tor zu Abenteuer und Exploration

  • ein gefährlicher Ort, der Respekt verlangt


Zu kämpfen hat das Meer mit


  • Überfischung und Verknappung von Meeresressourcen

  • Zerstörung von Lebensräumen

  • Klimawandel und steigendem Meeresspiegel

  • Sauerstoffmangel und toten Zonen

  • Plastikmüll und Mikroschadstoffen

  • Lärmverschmutzung

  • Chemischer Belastung

  • Verlust der Biodiversität


Und mit ihm all seine Bewohner und somit auch wir, irgendwo weiter oben in der Nahrungskette, aber untrennbar miteinander verbunden.



Der Müllstreifen zieht sich mehrere hundert Meter weit über's Meer - Nord-Sulawesi, Indonesien
Der Müllstreifen zieht sich mehrere hundert Meter weit über's Meer - Nord-Sulawesi, Indonesien

Hoffnung geben Menschen und Initiativen, NGOs und Regierungen, die sich der zunehmenden Probelmatiken bewusst sind oder werden. Und handeln.

Es gibt viele Plätze auf unserem Planeten, die man erwähnen müsste. Zu viele, um sich mit ihnen in nur einem Beitrag zu befassen. Mein Ansatz ist, sich über die Probleme zu informieren, sich Gedanken darüber zu machen. Nicht mal unbedingt über das Meer im Speziellen, sondern über unseren Planeten im Allgemeinen. Nicht selten geht damit auch ein Um- oder Andersdenken einher, vielleicht auch in ganz anderen Bereichen, das aber immer der erste Schritt zu Veränderung ist.

Ich würde mir wünschen, viele andere Menschen würden das Meer so kennenlernen wie wir Taucher oder Leute, die wasseraffin sind, wie Menschen, deren Nahrungsgrundlage es ist, wie Tiere, die darin leben. Einen anderen Blickwinkel einnehmen, und in seinem Umfeld so zu handeln wie es möglich ist, das ist für mich erstrebenswert.


 
 
 

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