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Zwischen Sandsturm und Mosaiken – Mein Abenteuer in Marrakesch

  • janetkittelmann
  • 1. Mai 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Besucht im September 2024



Riad Al Loune
Riad Al Loune

Der Orient mit seiner Kultur und seinen Geschichten fasziniert und verzaubert uns seit jeher. Namen wie Kairo, Damaskus oder Isfahan klingen nach flüsternden Winden in hohen Türmen, nach sanftem Plätschern aus verwunschenen Brunnen und dem vorbeiziehenden Hauch von raschelnder Seide. Mit Marrakesch verbinde ich Farbe, Fülle und Formen und eine Menge Kultur und Tradition. Ein tolles Ziel für meinen diesjährigen Städte-Trip!


Nach dem schlimmen Erdbeben in Marokko im September 2023 war ich mir allerdings nicht sicher, wie ich die schöne Altstadt von Marrakesch vorfinden würde, ein Jahr später. Auch sie wurde an einigen Stellen zerstört. Das Erdbeben war das stärkste, das bis dahin in Marokko gemessen wurde. Doch es sollte noch ein etwas längerer Weg werden, bis ich mir selbst ein Bild davon würde machen können.




Eigentlich sollte ein Flug von Amsterdam nach Marrakesch knappe 4 Stunden dauern, was erfreulicherweise bei mir auch der Fall war. Zumindest kreiste unser Flieger nach 4 Stunden bereits im Himmel über Marrakesch.

Ich muss vielleicht hinzufügen, dass mir vor und während meiner Reisen schon allerhand Komisches und Unglaubliches passiert ist. Aber dieser Urlaub hat im Verhältnis gesehen wirklich einen Platz in der Top 3 verdient.

Die Ansage im Flieger teilte mit, dass wir uns im Anflug auf Marrakesch befinden. Doch im Moment kreisen wir noch, da sich direkt über Marrakesch ein Sandsturm gebildet hat, und man weiß nicht, wann sich dieser auflösen wird. Okay, krass, dass der gerade jetzt aufgezogen ist... Eine halbe Stunde später kam die Ansage, dass der Sandsturm sich nicht sichtbar abschwächt und es nicht möglich ist, in Marrakesch zu landen. Wir fliegen nach Casablanca!


Mal abgesehen davon, dass ich nur 4 volle Tage in Marrakesch hatte, stellte sich mir schon die Frage, wie ich dann von Casablanca nach Marrakesch kommen würde. Unter "normalen" Umständen kein Ding, mit genügend Zeit ist das ganz entspannt zu handeln, aber so war es doch aufgrund aller Umstände eine kleine psychische Herausforderung.

Man sagte uns, dass am Flughafen Busse bereit stehen, die uns nach Marrakesch bringen. Super! Das ist europäische Organisation. Als der ganze Flieger am Gepäckband versammelt stand, es war halb neun abends, kamen die ersten Gesprächsfetzen herübergeweht, dass keine Busse zu sehen seien. Mir wurde es irgendwie ganz warm...

Ich wartete geduldig und ruhig am Gepäckband auf meinen Handgepäck-Trolley, den ich eigentlich gar nicht aufgeben wollte, doch die nette Dame am Stuttgarter Flughafen hat mir geraten, dies zu tun, also tat ich's. Was dann aber leider 40 Minuten lang nicht auf dem Gepäckband auftauchte, war mein Trolley. Zusammen mit über 20 anderen Koffern, die ebenfalls fehlten. Es dauerte eine weitere Stunde herauszubekommen, dass die Koffer nicht mit an Bord waren. Es war mittlerweile nach 22 Uhr und ich hatte seit mittags nichts mehr getrunken. Da wir noch nicht durch den Zoll waren, gabs da außer Wasser auf der Toilette auch sonst keine Möglichkeit, etwas zu trinken. Kopfschmerzen kamen auf.

Außer uns "Kofferlosen" hatten sich die übrigen Passagiere nach und nach verflüchtigt, haben Freunde, Familie oder Taxis angerufen, nachdem sich übel über die Lüge der Fluggesellschaft beschwert wurde. Als ich dann endlich aufgegeben hatte und klar war, dass weder jemand uns helfen wird noch mein Gepäck überhaupt im Lande ist, hab ich den Flughafen verlassen und stand nun da mit den Anderen, und kein Bus war in Sicht.

Wir nahmen uns also zu fünft ein Taxi, das uns die zweieinhalb Stunden zurück nach Marrakesch fuhr, und jeder war irgendwie genervt, in Panik, müde, ob der unglücklichen Ankunft im Urlaubsland.


Wir tauschten Nummern und wollten uns zwecks unseres Gepäcks gegenseitig auf dem Laufenden halten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch W-LAN vom Flughafen. Ich dachte allerdings schon darüber nach, wie ich eigentlich mein Riad verständigen sollte, wenn ich da nachts allein mitten in der Altstadt ankomme. Mit ihren labyrinthartigen, kleinen, engen und dunklen Gassen.... Jedes Riad bietet normalerweise an, den Gast an einem bestimmten Treffpunkt abzuholen, da Taxis in der Altstadt nur bis zu einem bestimmten Punkt fahren dürfen und können. So war das auch bei mir geplant, allerdings kam ich nun einige Stunden später an bzw. war überhaupt nicht am Treffpunkt erschienen.

Zum Glück hatte einer meiner Mitreisenden eine eSim und ich konnte während der Taxifahrt nach Marrakesch mein Riad informieren, die jemanden schickten, um sich erneut mit mir zu treffen. Als der junge Mann dann erschien, hatte er seine Freundin dabei - wie niedlich. Zusammen begleiteten die beiden mich bis zu meinem Riad, das ich nie im Leben alleine gefunden hätte, schon gar nicht mitten in der Nacht.

Nachts um 1 Uhr etwa war ich endlich angekommen, legte mich in Klamotten aufs Bett und schlief sofort ein. Reminder: Ich war für 4 Tage in Marrakesch. Dies war Ankunfts-Tag 1.





Am nächsten Tag Versuche der Konversation mit der Fluggesellschaft - Fehlanzeige. Internetrecherchen brachten Teilerfolge - der Koffer steht noch immer in Amsterdam. Ich putzte die Zähne mit Wasser vom Hahn und meinem Finger und ging erst mal Geld tauschen. Erster Einkauf: Wasser, Zahnbürste und Zahnpasta. Dann ging ich zurück in das wunderschöne Riad und versuchte, mein Frühstück zu genießen. Es gelang mir nicht richtig.

Ich verabredete mich mit einem Mädel von gestern zum Shoppen und versuchte, mich in meinen gleichen Klamotten und der Hitze nicht ultra unwohl zu fühlen. Schoss einige Fotos, nahm die Atmosphäre der Altstadt auf und akklimatisierte mich. Der Koffer würde laut Internetseite erst morgen nach Marrakesch geschickt werden. Also locker bleiben. Dies war Tag 2.





Nachdem ich nun gekaufte "Übergangs"-Klamotten hatte, versprach Tag 3 Hoffnung, doch um 9 Uhr standen die Koffer noch immer in Amsterdam. Trotzdem standen diverse Sightseeing-Punkte auf meinem Plan und ich machte mich gespannt auf den Weg.






Um 12 Uhr kam die Nachricht der Bekannten, dass unsere Koffer ab 14 Uhr in Marrakesch auf dem Flughafen zur Abholung bereit stehen. Mein Hotel organisierte einen Fahrer und wir fuhren zu zweit zum Flughafen.

Als wir an der "Such & Find"-Tür ankamen, stand dort eine zwanzig Meter lange Schlange an Koffern, alle aus Stuttgart, und irgendwo dazwischen dann auch unsere beiden. Wir ließen abwechselnd einen Schrei von uns und fielen uns dann buchstäblich in die Arme - einfach nur happy, unsere persönlichen sieben Sachen wieder zu haben. Abends gingen wir essen und feiern auf dem Djemaa El Fna und gaben uns ganz der orientalischen Atmosphäre hin.



Tag 4 verbrachten wir zusammen und hatten eine Menge Spaß. Mein persönliches Highlight dieses lustigen und unterhaltsamen Tages war der Besuch des Henna Art Cafés. Ich hab da mal was ausprobiert...




Tag 5. An diesem Morgen ging es schon wieder zurück. Marrakesch war genau das, was ich mir erhofft hatte: farbenfroh, wo man hinschaut, abenteuerlich, individuell – wenn man möchte – und authentisch, wenn man es zulässt.

Ein Trip durch Marokko? Unbedingt. Ich kann es mir jetzt noch viel besser vorstellen.

Abschließend war es der Urlaub mit den bisher meisten Unwägbarkeiten in so kurzer Zeit. Aber genau das gehört eben auch zum Reisen dazu: Manchmal muss man improvisieren, Probleme lösen oder einfach durchhalten.

Und mal ehrlich – wer kann schon von sich behaupten, mitten in einem Sandsturm im Urlaubsland angekommen zu sein? Es war wieder eine dieser abenteuerlichen Geschichten – und obwohl sie in der Situation nervenaufreibend sind, nimmt man sie doch gerne mit nach Hause.





 
 
 

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