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Zauber des Nils: Auf einer Dahabeya durch Wasser, Wind und Zeit - eine einzigartige Nilkreuzfahrt zwischen Luxor und Assuan

  • janetkittelmann
  • 28. Juni
  • 15 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Juli

Bereist vom 15. - 24. Mai 2026



Dahabeya traditionelles Segelboot auf dem Nil


Einzigartig war diese Reise auf dem Nil – nicht nur wegen der unvergleichlichen Erfahrung, den längsten Fluss der Welt auf einem traditionellen Segelboot zu bereisen, sondern auch wegen der besonderen Zeit, in der wir unterwegs sind: ungewöhnlich heiß, ungewöhnlich ruhig, nur wenig andere Reisende. Ebenso prägend sind die herzlichen Begegnungen mit der Crew an Bord, mit den Menschen entlang des Nils und schließlich die Orte selbst – einige der ältesten Monumente unseres Planeten, darunter das letzte erhaltene der sieben antiken Weltwunder. All das verleiht dieser Reise eine besondere Tiefe.


In Kairo, mit dem Gizeh-Plateau, dem Grand Egyptian Museum sowie den Nekropolen von Sakkara und Dahshur beginnt unsere Reise durch Ägypten an einem Ort, der seit Jahrtausenden die Menschen in seinen Bann zieht.



Reiseziele

Kairo | Gizeh | Sakkara | Dahshur | Luxor | Theben | Edfu| Kom Ombo| Assuan| Philae| Abu Simbel




Begegnung mit Kairo

Panorama Kairo Nil nahe Tahrir-Platz


Kairo empfängt uns mit einer unglaublichen Intensität: Die Stadt wirkt dicht, laut, ungefiltert – und überraschend roh. Zwischen unverputzten Ziegelbauten, viel Alltagsbeige und sichtbaren Spuren des täglichen Lebens entsteht ein Stadtbild, das nicht poliert ist wie in anderen Metropolen, die ich auf früheren Reisen kennengelernt habe. Die modernsten Gebäude sind gefühlt Banken oder Hotels. Es ist ein erster Eindruck, der überrascht, etwas schockiert und gerade deshalb lange bei mir nachwirkt.



Kairo

Kairo

Kairo



Einen deutlichen Gegenpol dazu bildet die Nilpromenade. Die Ufer sind gepflegt, Bäume spenden Schatten, und viele Menschen sind hier unterwegs – Paare, Familien, Spaziergänger, die den Abend nutzen, um aus der Stadt herauszutreten, ohne sie wirklich zu verlassen. Vor Anker liegen große Nilschiffe, die zu schwimmenden Restaurants umgebaut sind. Am Abend verändert sich die Stimmung deutlich. Die Stadt verliert etwas von ihrer Härte, die Hitze lässt langsam nach, das Licht wird weicher, und entlang des Nils entsteht eine stimmungsvolle Atmosphäre.

Kairos Fernsehturm (Cairo Tower, rechts im Bild) ist zentral gelegen, nachts beleuchtet und ein guter Orientierungspunkt am Nil. Von der Aussichtsplattform hat man einen grandiosen Ausblick über die Stadt.



Kairo Nil Kairo Tower

Kairo Nilpromenade

Kairo Nilpromenade

Kairo Skyline Night
Nil-Skyline nahe Tahrir-Platz


Der erste Blick auf die Ewigkeit

Die Pyramiden von Gizeh markieren dann den Moment, in dem sich die Vorstellung von Zeit verändert. Ein spontanes „Wow“ entfährt uns, als wir sie zum ersten Mal aus der Ferne sehen.

Die Stadt hoch überragend, stehen sie wie verankert in der Landschaft. Direkt vor den Pyramiden zu stehen, ihre Dimensionen zu erfassen und die Jahrtausende zu spüren, die sie überdauert haben, gehört zu den Momenten, die man nicht vergisst.


Fast noch erstaunlicher ist die Stille. Wo sonst rund 30.000 Besucher täglich unterwegs sind, begegnen wir nur wenigen Menschen. Ein seltener Glücksfall. So können wir diesen ersten Moment ganz bewusst genießen: vor einem der berühmtesten Bauwerke der Menschheitsgeschichte zu stehen und zu begreifen, dass es tatsächlich existiert – nicht auf einem Bildschirm, sondern direkt vor uns.



Pyramiden von Gizeh Gizeh-Plateau Kairo
Gizeh-Plateau

Cheops-Pyramide Pyramiden von Gizeh Gizeh-Plateau Kairo
Cheops-Pyramide


Chephren-Pyramide Pyramiden von Gizeh Gizeh-Plateau Kairo
Chephren-Pyramide

Die Mykerinos-Pyramide sehen wir leider nur von weitem.


Pyramiden von Gizeh Gizeh-Plateau Kairo Kamele vor Pyramiden
Gizeh-Plateau

Die Große Sphinx steht auf dem Gizeh-Plateau nahe den Pyramiden und gehört zu den bekanntesten antiken Monumenten Ägyptens. Sie ist aus einem einzigen Kalksteinfelsen herausgearbeitet und stellt eine liegende Löwenfigur mit einem menschlichen Kopf dar.

Seltsame Gefühle erfassen mich beim Anblick dieses mysteriösen Monuments, wenn man direkt davor steht. Ihr Alter ist unbestimmt.



Große Sphinx Totale Pyramiden von Gizeh Gizeh-Plateau Kairo
Große Sphinx



Grand Egyptian Museum

GEM Grand Egyptian Museum Kairo
GEM - Das Grand Egyptian Museum

Das Grand Egyptian Museum gilt als das größte archäologische Museum der Welt, das sich nur einer einzigen Zivilisation widmet. Auf 40.000 Quadratmetern beherbergt das Museum über 100.000 Artefakte, von denen rund 50.000 in Dauerausstellungen besichtigt werden können.


Die Architektur wirkt schon von außen wie ein bewusster Bruch mit allem, was man zuvor in Kairo gesehen hat. Der Bau liegt am Rand der Wüste nahe dem Gizeh-Plateau und öffnet sich mit einer klaren Geometrie zur Landschaft hin. Seine 800 Meter lange Fassade besteht aus einer Vielzahl geometrischer, pyramidenartig gestalteter Elemente. Auf dem riesigen Vorplatz befindet sich der Hängende Obelisk von Ramses II.





Innen öffnet sich das Gebäude in große, lichtdurchflutete Raumvolumen. Blickachsen, Ebenen und Übergänge sind bewusst gesetzt. Man bewegt sich durch eine Architektur, die großzügig wirkt, gleichzeitig aber eine klare innere Ordnung besitzt. Immer wieder öffnen sich Perspektiven, die den Blick nach draußen oder in tiefere Raumzonen führen und so eine Verbindung zwischen den einzelnen Bereichen schaffen.



Große Halle GEM Grand Egyptian Museum
Die Große Halle



Große Treppe GEM Grand Egyptian Museum
Die Große Treppe



Schon vor Tausenden von Jahren haben die Menschen mit zweierlei Maß gemessen:

Die Mumifizierung der einfachen Bürger unterschied sich stark von der der Adligen. Entsprechend gab es einfache Holzkisten, Särge aus Zedernholz für die bessergestellten Bürger sowie Steinsakophage und wundervoll bemalte Holzsakophage für die Reichen. Die Bestattung von Sklaven und Fellachen erfolgte mit viel Glück durch Einwickeln in Leinen und Vergraben im Sand.





Grabbeigaben: Die wundervollen Tut-Anch-Amun-Gallerien




Statue der Hatschepsut GEM Grand Egyptian Museum
Königin Hatschepsut

Da wir auf einer geführten Tour sind, werden wir entsprechend zügig durch die Dynastien und

Zwischenzeiten geführt. Unser Guide Ali verpackt diese Zeitreise allerdings in eine interessante, bildhaft ausgeschmückte Story, wodurch die Zeit wie im Flug vergeht. Wir besuchen das Museum gute zwei Stunden lang inklusive kurzer Pausen.





Im Anschluss lernen wir einen der typischen „Perfume Palaces“ in Kairo kennen – eine traditionsreich inszenierte Parfümmanufaktur mit angeschlossenem Showroom. Zwischen Hunderten bunter Glasflakons erhalten wir eine Einführung in ägyptische Duftessenzen, die nach Angaben des Hauses aus Pflanzen der Oase Fayoum gewonnen und sogar nach Grasse (FR) exportiert werden.



Sakkara

In Sakkara wird die Idee der Pyramiden erstmals greifbar. Die Stufenpyramide markiert den ersten klar erkennbaren Schritt in der Entwicklung des Pyramidenbaus. Sie wurde von Pharaoh Djoser beauftragt und vom berühmten Baumeister Imhotep realisiert.



Sakkara verschleierte Sicht auf Stufenpyramide Djoser Palmen im Vordergrund


Das Sakkara-Plateau selbst erstreckt sich weit in die Wüste hinein. Die Anlage wirkt größer, als man es zunächst erwartet, fast wie eine eigene Landschaft aus Gräbern, Tempelresten und Stein. Zwischen den einzelnen Bereichen liegen teils große Distanzen, die die Weite dieses frühdynastischen Begräbnisortes noch verstärken.





Neben der Pyramide des Teti, die als Grabstätte einen der frühen königlichen Begräbniskomplexe markiert, führen uns auch kleinere Gräber der Adligen tiefer in die Welt des Alten Reiches. Im Grab des Kagemni und im Grab des Nikauisesi öffnet sich eine ganz andere Dimension: fein gearbeitete Reliefs, Szenen aus dem alltäglichen Leben und Darstellungen, die trotz ihres Alters eine erstaunliche Lebendigkeit bewahrt haben.



Grab des Kagemni




Grab des Nikauisesi 




Pyramide des Teti




Eine kurze Busfahrt bringt uns zur nächsten großen Sehenswürdigkeit. Zunächst durchlaufen wir aber den Totentempel-Komplex des Pharao Unas (auch Wenis) mit seinen überdachten und offenen Säulengängen. Als wir wieder ins Freie treten, erhebt sich rechterhand die gewaltige Stufenpyramide des Djoser, die den Mittelpunkt der weitläufigen Nekropole von Sakkara bildet.



Sakkara Totentempel-Komplex des Pharao Unas
Eingang zum Totentempel-Komplex des Pharao Unas




Sakkara Stufenpyramide des Pharao Djoser
Stufenpyramide des Pharao Djoser

Sakkara Stufenpyramide des Pharao Djoser


Dahshur

In Dahshur setzt sich die Entwicklung des Pyramidenbaus fort. In der weiten Wüstenlandschaft stehen hier die Knickpyramide, die Rote Pyramide, die Schwarze Pyramide sowie die Weiße Pyramide – klarer und geometrischer im Bau und weiter voneinander entfernt als die Bauten in Sakkara.

Die Knickpyramide zeigt noch deutlich die Übergangsphase dieses architektonischen Experiments, in dem sich Form und Stabilität erst finden mussten.



Dahshur Knickpyramide des Pharao Snofru
Knickpyramide des Snofru

Wir nehmen die Gelegenheit wahr und betreten zum ersten Mal eine Pyramide – die Knickpyramide – und ein Abenteuer beginnt!


Der erste Gang führt uns 85 Meter schräg hinunter in die Tiefe, durch einen mit Holzplanken ausgelegten Korridor, in dem man nicht aufrecht gehen kann, sondern sich in spinnenartigen Bewegungen fortbewegen muss. Es ist schon eine ziemliche Anstrengung, bei über 40 Grad Außentemperatur in das Innere einer Pyramide zu klettern, die, anders als viele annehmen, im Innern nicht schön kühl, sondern noch einmal mindestens 10-15 Grad heißer ist. Der Schweiß läuft demnach in Strömen, und das nicht nur bei uns.





Nach dem Gang befindet man sich in einem kleinen, nach oben offenen Raum ohne weitere Öffnung, an dessen Seite eine senkrechte10 Meter hohe Leiter steht. Na dann mal hoch! An meine Höhenangst denke ich vor lauter Anstrengung und Aufregung zum Glück gar nicht... Nach der Leiter kommt der Turm. Und nach dem Turm steht man vor einem dunklen Nichts und fragt sich, ob man tatsächlich da hineingehen soll. Ein dunkler Tunnel, grob in Stein gehauen, gebücktes Vorwärtsbewegen, kriechen. Ich habe kurzzeitig ein leicht beklemmendes Gefühl, das aber nach kurzem Ausruhen wieder vergeht. Umkehren gibt's jetzt nicht mehr! Dann noch ein Gang, nochmal Treppen, und man steht keine drei Meter direkt unter der Spitze von Snofrus Pyramide aus einer längst vergangenen, uralten Zeit. Ein anstrengendes, aber tolles Erlebnis!



Luxor und Theben

In Luxor gehen wir endlich an Bord der Dahabeya. Nach der Wüste sehnen wir uns sehr nach Wasser und Grün. Für die kommenden Tage ist das schöne, traditionelle Segelboot Sundus unser Lebensmittelpunkt. Wir haben jeweils eine Suite gebucht, deren Balkon an der Rückseite der Dahabeya ein besonderes Highlight bildet – direkt über dem Wasser gelegen. So sind wir dem Nil ganz nah und erleben das Leben am Fluss fast aus nächster Distanz.


Noch bleibt das Boot einen Tag vor Anker. Am nächsten Morgen führt der Weg ins Tal der Könige, zum Tempel der Hatschepsut und wir sehen die Memnon-Kolosse.



Tal der Könige

Ein paar der Ramses-Gräber stehen ganz oben auf meiner Liste. Leider ist KV 7, das Grab von Ramses dem Großen, meinem Lieblingspharao, seit langem dauerhaft geschlossen. Ebenso ist die Grabstätte seiner liebsten Nefertari, seiner Großen Königlichen Gemahlin im Tal der Königinnen, während unseres Besuchs leider nicht zugänglich. Folglich muss ich das Grab seines Vaters auf jeden Fall besuchen. Die Chancen stehen gut, dass wir alle gewünschten Gräber in der kurzen Zeit sehen können – bisher ist der Parkplatz so gut wie leer und der Besucherstrom hält sich in Grenzen. Inklusive einer Einführung unseres Guides in die ägyptische Totengeschichte verbringen wir hier gute zweieinhalb Stunden.





Grab Sethi I. (Sethos I.) - KV 17


Gilt als eines der am vollständigsten dekorierten und prachtvollsten Gräber. Es ist das längste und tiefste Grab der Nekropole. Für dieses Grab nehme ich mir besonders viel Zeit und gebe mich ganz der Ausstrahlung der wunderschön bemalten Gänge und Grabkammern hin.

Die Bilder sind entsprechend der Begehung in Reihenfolge sortiert. Anhand der isometrischen Schnittansicht kann man sich innerhalb des Grabes gut orientieren.


Es hat sich absolut gelohnt! Aber schau selbst, wie gut erhalten die Farben sind und bedenke – sie sind über 3.300 Jahre alt!



Tal der Könige, Luxor
KV 17 Grab des Sethi I.
Grab Sethi I. (Sethos I.)



Auch die anderen Ramses-Gräber sind klasse und absolut sehenswert, aber deutlich mehr frequentiert. Wir besuchen KV 11, KV 6 und KV 2.



Grab Ramses III. - KV 11




Grab Ramses IX. - KV 6




Grab Ramses IV. - KV 2




An diesen Tagen in Luxor zeigt sich eine andere Seite der Reise: Temperaturen bis 50 Grad machen selbst kurze Wege zur Herausforderung. Ich hätte nicht gedacht, dass man solche Hitze überhaupt aushalten kann – geschweige denn, in der Wüste Sehenswürdigkeiten zu besuchen. Am Hatschepsut-Tempel wird genau das zur Realität: Die Belastung ist zu hoch, und ich muss abbrechen. Die Memnon-Kolosse sehe ich nur noch aus dem Fenster des Minibusses, dessen Fahrer glücklicherweise die Klimaanlage laufen lässt.


Hatschepsut-Tempel



Zurück auf der Dahabeya folgt zunächst eine längere Siesta in der Kabine. Es stellt sich auch die Frage, ob das Nachmittagsprogramm für mich überhaupt noch möglich sein wird. Denn eigentlich steht mit Karnak eines meiner persönlichen Highlights bevor – ein Ort, den ich unter keinen Umständen verpassen möchte.

Nach einer kurzen Erholung, zwei Flaschen Wasser und einer bewussten Entscheidung geht es weiter. Um 15 Uhr beginnt das Nachmittagsprogramm: Karnak-Tempel, anschließend der Luxor-Tempel und die Sphinx-Allee. Der Weg vom Eingang bis zur Fassade des Karnak-Tempels ist eine kleine Herausforderung, doch im Tempel selbst gibt es überall Schatten. Die Zeit rückt voran, und allmählich weicht die Hitze des Tages einem wunderbaren Sommerabend.


Speziell im Karnak-Tempel wird die Geschichte Ägyptens für mich besonders lebendig. Die riesigen Säulen flößen mir Respekt ein – vor den Pharaonen, den Künstlern, den Baumeistern und Handwerkern. Ich versuche mir vorzustellen, wie die Könige hier ihr Erbe hinterlassen haben, als diese Welt noch farbig und lebendig war, und wie sie einst diese Gänge passierten und die lange Sphinx-Allee, begleitet vom Jubel des Volkes.



Karnak-Tempel



Eine unvergleichliche Atmosphäre entsteht an diesem späten Nachmittag im warmen, leuchtenden Licht in Luxor. Sie lässt die Vergangenheit fast körperlich spürbar werden. Ein ganz besonderes Erlebnis.


Luxor-Tempel mit Sphinx-Allee





Am nächsten Morgen wache ich durch Geräusche und das leichte Schaukeln des Schiffes auf. Es ist kurz nach fünf Uhr morgens: wir legen ab! Endlich geht sie los – unsere Reise auf dem Nil.

Ich stehe voller Vorfreude auf, gehe auf den Balkon und genieße den Anblick der noch nächtlichen Kulisse Luxors, höre und schaue den Wellen zu, während die Lichter der Stadt langsam verblassen und Re seine Fahrt in der Sonnenbarke beginnt.



Nil im Sonnenuntergang


Richtung Edfu

Heute steht ausschließlich eine Flussfahrt auf dem Programm, worüber wir alle sehr froh sind. Mit „alle“ meine ich uns sowie unsere beiden Mitreisenden, denn wir reisen insgesamt nur zu viert.

Es ist ein nettes Paar, das wir bereits in Kairo kennengelernt haben und das eines Abends überraschend auf unserem Boot auftaucht. Diese kleine, vertraute Runde schafft beste Voraussetzungen für eine unterhaltsame und zugleich entspannte Reise.



Nil Panorama mit Segelboot in der Ferne


Nilpanorama Hütte am Ufer des Nils ruhige Wellen Wasser




Klimageräte an Deck haben in den letzten Tagen ein wenig Kühlung verschafft, und so relaxen wir jeder auf seine Weise und genießen den vorüberziehenden Tag. Bevor wir für die Nacht anlegen, geht es bei Esna noch durch die Schleuse – etwas, das ich noch nie selbst miterlebt habe.



Schleuse Esna Dahabeya Sundus


Esna, Ägypten
Esna mit seiner malerischen Kulisse

Zum Ankern fahren wir an einen ruhigen Seitenarm des Nils, wo wir sogar mal das Nilwasser antesten. Wer mag, kann baden. Es ist eiskalt, erwartungsgemäß, aber eine herrliche Erfrischung. Man merkt richtig, wie die Energie zurückkommt und man Lust auf neue Abenteuer bekommt. Abends genießen wir ein Barbecue am Nilufer, das die Crew für uns vorbereitet hat. Ein großer Teppich, ein paar Kissen, ein dazu passender niedriger Tisch, tolles Essen und der Mond über dem Nil. Einfach perfekt.





Edfu

Am nächsten Tag kommen wir in Edfu an und besichtigen den gewaltigen Horus-Tempel. Seine Fassade war einst vollständig farbig; in den waagerechten Öffnungen steckten bunte Fahnen, Musik erfüllte den Platz, Tänzerinnen bewegten sich durch die Prozessionen, und Priester trugen Schalen mit dampfendem Räucherwerk. Wer die Augen schließt und den ein oder anderen historischen Roman gelesen hat, kann sich diese farbigen Szenen womöglich gut vorstellen.



Horus-Tempel

Gilt als der besterhaltene Tempel Ägyptens und ist dem Gott Horus geweiht. Er wurde in der Ptolemäerzeit erbaut, ist somit über 2.000 Jahre alt und beeindruckt vor allem durch seine monumentale Pylon-Fassade mit reich verzierten Reliefs.


Horus-Tempel, Edfu



Kom Ombo

Kom Ombo hält nicht nur den bekannten Tempel für uns bereit, sondern auch ein besonderes Erlebnis sowie eine überraschende Wendung des Tages. Auch die darauffolgende Nacht bringt noch das eine oder andere unerwartete Ereignis mit sich. Es sind genau solche Momente, die diese Reise so unvergleichlich gemacht haben.


Der Tempel von Kom Ombo liegt eindrucksvoll direkt am Ufer des Nils. Er wird auch als Doppeltempel von Kom Ombo bezeichnet, da er den beiden Göttern Horus (Licht- und Himmelsgott) und Sobek (Wasser-, Fruchtbarkeits- und Krokodilgott) gewidmet ist.



Doppeltempel, Kom Ombo



Gleich nebenan befindet sich daher passenderweise zu meiner großen Freude ein Krokodil-Museum, das einige der bei den Ausgrabungen des Tempels gefundenen Krokodilmumien beherbergt. Die Kerlchen sind ziemlich groß und gut erhalten.

Ein Besuch lohnt sich aus meiner Sicht, da man so etwas wirklich nicht alle Tage zu sehen bekommt. Für Reptilienfans sowieso ein Muss!



Krokodilmuseum, Kom Ombo


Römischer Tiefbrunnen, Kom Ombo

Vor dem Eingang des Tempels kann man sich eines der antiken Nilometer ansehen, die man außerdem noch in Assuan finden kann. Ein Tiefbrunnen aus der römischen Zeit befindet sich einige Meter neben dem Tempel. An dessen runden Wänden windet sich eine Treppe bis nach unten zur Wasserlinie. Er erinnert mich an die Stufenbrunnen in Indien, ist aber leider nicht begehbar.


Römischer Tiefbrunnen, Kom Ombo

















Noch während unseres Besuchs im Doppeltempel verändert sich der Himmel langsam von blau zu gelblichem grau. Wir denken noch an den Aufzug eines Gewitters, als uns einfällt, dass wir uns mitten in Ägypten befinden, und das doch eher unwahrscheinlich ist.


Nach dem Besuch des Krokodil-Museums macht Guide Abdul dann etwas Druck: "Yalla, yalla, wir gehen zurück zum Boot. Schnell jetzt." Es wird immer windiger, immer dunkler, aufgewirbelter Sand peitscht durch die Luft, sodass man meinen könnte, es sei kurz vor Sonnenuntergang.

Auf dem Boot angekommen wird uns mitgeteilt, dass wir heute nicht mehr weiterfahren, da gerade ein Sandsturm über uns hinwegfegt. Alle Schiffe stopp, keine Weiterfahrt erlaubt. Der Steuermann hat das letzte Wort und wir ankern in Kom Ombo für die Nacht.



Nil Nachtaufnahme Vollmond


Auf einem der Balkons unserer Suiten - wir wechseln ab - lassen wir den Abend ausklingen. Diesmal auf dem meines Begleiters, da der morgige Tag ein besonderer für ihn wird: Sein Geburtstag. Der Abend ist wunderschön, warm, wohlig, relaxed und gemütlich. Der Sand hat sich gelegt, der Nil zieht an uns vorbei, die Geräusche von Kom Ombo wehen zu uns herüber, der Mond scheint hell und klar. Mitternacht verpassen wir durch ununterbrochenes Reden, aber als um 0:20 Uhr plötzlich drüben in Kom Ombo ein Feuerwerk beginnt und nahezu eine Stunde lang andauert, passt das wirklich hervorragend zu unserer Stimmung, der Atmosphäre und vor allem zum Geburtstag meines Freundes! Glückwünsche, ein Mini-Geschenk in Reiseformat und eine Umarmung, und der nächste Tag wartet bereits auf uns.


Assuan

In der Nacht ging's irgendwann weiter, denn als ich aufwache, sind wir schon auf Fahrt.

Wir erreichen Assuan und legen am Westufer vor der Assuan Bridge an. Während die Crew das Boot einmal komplett von unten bis oben reinigt und von Sand befreit, machen wir uns auf den Weg. Der heutige (Geburts-)Tag wird mit tollen Erlebnissen und Überraschungen gespickt sein.



Dahabeya Sundus vor Anker Westufer, vor Assuan Bridge, Assuan


Der erste Stopp heute ist der Assuan-Staudamm. Er wurde zwischen 1960 und 1970 gebaut und ist etwa 111 m hoch sowie über 3,8 km lang. Der Nasser-Stausee ist einer der größten künstlichen Stauseen der Welt. Neben der Wasserspeicherung (ca. 170 km³ Speichervolumen) dient er auch der Stromerzeugung (ca. 2.100 MW Leistung) und der Regulierung der Nilfluten, die früher regelmäßig große Überschwemmungen verursacht haben.




Nasser Stausee
Der Nasser-Stausee ist so groß, dass man das sein Ende nicht absehen kann

Assuan Staudamm

Im Anschluss fahren wir ins Städtle und besuchen einen Gewürzhändler. Er hat eine große Auswahl an eigens zusammengestellten Gewürzmischungen im Angebot, die wir zusammen mit frisch zubereiteten Falafel und Pfefferminztee probieren dürfen. Ich ärgere mich heute noch ein wenig, dass ich dort nicht zugeschlagen habe – die Basar-Mischungen, die wir später sehen, können da leider nicht mithalten.


Nach dieser kleinen Verkaufsrunde geht es zu Fuß weiter durch enge Gassen Richtung Basar. Dieser besteht aus einer Straße, die parallel zum Nil verläuft und sich über mehrere Querstraßen hinweg zieht. Man geht im Schatten unter Baldachinen und Holzpergolen hindurch, duckt sich unter herabhängenden Sonnensegeln, weicht Karren aus und bewegt sich mit der Menge aus Farben, Geräuschen und Gerüchen.





Als Abschluss des Vormittags besuchen wir den Botanischen Garten, wo zunächst mein Begleiter mit vielen Katzenkindern sein Glück findet, und nur 50 Meter weiter auch ich, als ich zum ersten Mal in meinem Leben ein echtes Krokodil auf meiner Hand halte – auch wenn's nur ein Baby ist. Natürlich sind mir die negativen Aspekte im Zusammenhang mit der ganzen Aktion bewusst, aber heute ist ein Ehrentag, ein Wunscherfüller-Tag, und wir sind im Glück!!






Nach kurzem Bootswechsel machen wir uns auf zur Nile Panorama Cruise, die in kleinen, gemütlichen Booten durch die malerische Schilflandschaft führt. Wir beobachten viele Arten Vögel, passieren den ersten Katarakt des Nils, dessen Überreste noch in sanften Stromschnellen zu sehen sind, und legen am anderen Ufer im Nubischen Dorf an. Hier geht's per Tuk Tuk vorbei an bunt bemalten Häusern im runden, nubischen Stil, vorbei an Teestuben, Moscheen, Eseln, Kühen und Ziegen, bis hinauf zu einem Aussichtspunkt hoch über dem Nil. Das Panorama, das sich uns hier bietet, ist wirklich atemberaubend. Was ich mir von Oberägypten und dem Gebiet um Assuan vorgestellt habe, erfüllt sich hier auf eindrucksvolle Weise.



Nile Panorama Cruise


Nilpanorama, Assuan
Der Nil bei Assuan


Nile Cruise, Assuan
Die letzten verbliebenen Stromschnellen des Ersten Nilkatarakts nach dem Bau des Assuan-Staudamms

Nubisches Dorf mit Aussichtspunkt



Nilpanorama, Assuan
Blick auf Assuan; ganz rechts außen im Bild ist die Staumauer des alten Staudamms zu sehen

Die Bootsfahrt zurück nach Assuan City verläuft still im Sonnenuntergang. Das Nilometer, das wir passieren, tritt dabei in den Hintergrund. Die vielen schönen Eindrücke dieses Tages bleiben in unseren Köpfen haften, während wir die schweigsame Stimmung auf dem Boot zurück in die Stadt genießen.



Segelboot auf dem Nil, Sonnenuntergang


Die Tempelanlage von Philae

Während unseres Besuchs auf Philae erkunden wir den eindrucksvollen Isis-Tempel und den Trajans-Kiosk, einen monumentalen offenen Säulenpavillon aus der Römerzeit. Beim Spaziergang über die Tempelanlage führt uns der Weg zudem an weiteren Heiligtümern vorbei, die den historischen und religiösen Reichtum der Insel eindrucksvoll widerspiegeln. Die Tempelanlage von Philae gehört seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe, wie viele weitere historische Stätten überall in Ägypten.


Isis-Tempel


Isis-Tempel, Philae
Isis-Tempel

Musik in der Antike




Trajans-Kiosk


Trajans-Kiosk, Philae


Abu Simbel

Was ist ein Foto von Abu Simbel ohne Menschen wert? Das habe ich mich gefragt, als ich zum ersten Mal staunend vor dem monumentalen Tempel von Ramses II. stehe – und zum wiederholten Mal darüber staune, dass es nur wenige andere Touristen gibt. Wieder haben wir unverschämtes Glück, dass nur gefühlt 100 Menschen Abu Simbel in diesem Zeitkorridor besuchen.


Der Ramses-Tempel wirkt leer – wir haben ihn für uns allein, wenn man ein wenig Geduld hat und es in der Hitze im Inneren aushält. Freier Durchgang bis zum Allerheiligsten: den vier Kultstatuen von Re-Harachte, Ramses II., Amun-Re und Ptah. Zweimal im Jahr (März und Oktober) fällt ein Strahl der aufgehenden Sonne bis in diesen Raum und beleuchtet drei der vier Figuren für jeweils einige Minuten – auch heute noch, nach der aufwändigen Versetzung der Tempel von Abu Simbel in den Jahren 1963–1968. Die Ingenieure haben hier wirklich Feinarbeit geleistet.



Ramses-Tempel


Ramses-Tempel, Abu Simbel




Der Hathor-Tempel im Berg nebenan ist Nefertari gewidmet, der Großen Königlichen Gemahlin Ramses des Großen. Sie ist ohnehin bei jeder seiner Statuen links und rechts zu seinen Füßen abgebildet, doch hier gibt es einen gewollten Bruch: Die Statuen Nefertaris stehen auf gleicher Höhe wie die des Ramses – auf Augenhöhe. Zusammen mit der Widmung des Tempels ist dies wohl eine der ältesten überlieferten Liebesbotschaften unseres Planeten.


Hathor-Tempel


Hathor-Tempel, Abu Simbel
gewidmet Nefertarti, der Großen Königlichen Gemahlin Ramses II.


Hathor-Tempel, Abu Simbel
Statue der Nefertari, Große Königliche Gemahlin Ramses II.
„Nefertari, um derentwillen Re erstrahlt.“



Auch der Besuch von Abu Simbel ist ein ganz persönliches Highlight, das ich auf dieser Reise auf keinen Fall missen möchte. Dieser Ausflug kommt on top und kann vor Ort auf der Dahabeya gebucht und bezahlt werden (Kartenlesegerät wird vom Guide mitgebracht, somit kein Problem via Karte oder Apple Pay). Wir verbringen hier etwa zweieinhalb Stunden.




Die Dahabeya Sundus




Fazit

Eine Reise zu den großartigsten Monumenten der Menschheitsgeschichte und gleichzeitig eine Reise durch das alltägliche ägyptische Leben entlang des Nils – manchmal in überraschender Härte, manchmal in berührender Nähe.

Ich habe noch nie in einem Urlaub so viele Sonnenaufgänge erlebt :) – da wir oft zwischen 4 und 6 Uhr morgens aufstanden, was angesichts der Hitze jedoch mehr als willkommen war. Ich habe auch noch nie so viele schöne Mondnächte hintereinander erlebt – hier spricht eindeutig die Romantikerin aus mir.

Für jeden, der das wahre Ägypten samt seiner einzigartigen Kultur kennenlernen möchte, die Menschen, die so liebenswert sind, so herzlich und hilfsbereit, dem emfpehle ich wärmstens eine Reise auf einer Dahabeya. Es war auch die Mischung aus Exotik, Komfort und Abenteuer, die diese Reise unvergesslich gemacht hat.

Und nochmals erwähnt sei die Crew, die zu dieser Zeit an Bord war - ihr alle wart unglaublich toll!! Ich vermisse die Zeit mit euch :)




Praktische Tipps für eine Nilkreuzfahrt auf einer Dahabeya

Da du dich nahezu den gesamten Tag im Freien aufhälst, ist eine Kopfbedeckung absolut notwendig und sinnvoll. Ein leichter Safari-Hut aus Polyester, am besten mit Bändchen zum Zubinden, ist genau das richtige für Wüstentouren und Besichtigungen, die meist nicht im Schatten stattfinden.

Eine leichte Jacke oder ein leichter Pulli sind gute Wegbegleiter an windigen Tagen auf dem Boot. Abends kann es auch in Ägypten leicht kühl werden, was zusammen mit dem Wind schnell eine unerwünschte Erkältung oder einen Zug verursachen kann.




Aus Respekt

gibt man immer und egal welche Leistung man erhält, ein kleines Trinkgeld. Das kommt nicht nur in der Tourismusbranche gut an.




Möchtest du deine Erlebnisse einer Nilkreuzfahrt teilen? Dann gerne in den Kommentaren!


 
 
 

1 Kommentar


Gerlinde
30. Juni

Ein wunderbarer, sehr gut geschriebener Reisebericht mit tollen Fotos. Man bekommt große Lust das Reiseabenteuer auch zu erleben. War bestimmt grandios!

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